Ja, nachdem ich nun meine letzte Prüfung absolviert habe (die Erleichterung danach ist ein unglaubliches Gefühl, endlich keinen Notendruck mehr hinsichtlich Masterzugang usw. ändern kann man ja jetzt eh nichts mehr
), heute mal was anderes als Klausuren, Bachelorarbeit und so weiter.
Ich bin ja nicht gerade das, was man einen Zocker nennt. PC-Games mag ich nicht (da krieg ich ADHS), Kartenspiele finde ich (meistens) langweilig, ab und an gerne mal ein Brettspiel, aber insgesamt eher – nee. Es gibt jedoch ein Spiel, welches es mir echt jetzt schon seit ein paar Jahren angetan hat. Vielleicht ist es sogar ne kleine Sucht von mir
, aber eher harmloser Natur. Und zwar Dominion, das ist ein eher strategisches Kartenspiel, welches wir auch für Daheim haben, aber weil mir hier der Ruf zufällt, ständig alle platt zu machen, spiele ich es im Internet, und das schon richtig lange. Es ist ein bisschen wie Kartenschach aber dann doch nicht. Ich spiele es am liebsten zu Zweit, geht grundsätzlich aber auch mit mehreren. Nur ich verlier dann schnell den Überblick
. Ich würde sagen, ich bin schon gut darin (auch wenn ich sicherlich nicht alle 10 Mio Kombis durchgespielt habe), aber ich bin nicht gut im Sinne von: verbissen gut.
Sprich, ich spiele nicht, um zu gewinnen, und das ist eines der Hauptunterschiede zu meinen (meist männlichen, aber ich will daraus keine Geschlechtshypothese ableiten) Mitstreitern. Ich spiele, um zu spielen. Eine liebe Mitstudentin von mir hat mich gestern (in einem ganz anderen Zusammenhang, aber egal) auf den Begriff “Funktionslust” gebracht, und der trifft es glaube ich, ganz gut, auch wenn er eher kleineren Kindern zugeordnet wird (hier die Definitionen: http://lexikon.stangl.eu/1977/funktionslust/). Klar, spielt bei meinen Mitstreitern dies auch eine gewisse Rolle, aber nicht allein. Während des Spiels kommen öfter mal solche Aussagen wie:
- wenn ich jetzt richtig mitgezählt habe, dann bist du vorne oder
-hättest du diese Karte nicht gekauft, dann hättest du gewonnen oder
-nun habe ich einen riesigen Fehler begangen (“what a horrible misclick”)
oder, auch schon erlebt, man wird handfest beschimpft (weil man vorne liegt) oder weil man vergisst/nicht sieht dass ein Stapel leer ist oder derjenige verlässt einfach das Spiel, wenn er sieht, dass nix mehr zu holen ist.
Total blöd sind auch die Ränge da. Ich steh irgendwo auch recht weit oben, aber ich glaube, das ergibt sich weniger aus den Siegen als der Gesamtanzahl der Spiele oder so ^^; und dann kommen immer mal Diskussionen wie “ich dachte, wenn man so weit oben ist, spielt man besser und gewinnt jedes Mal” oder “war ja klar, gegen jemand mit so einem hohen Rang kann man nur verlieren”.
Es gibt auch Foren und Blogs im Internet, in denen die Strategien schlechthin vorgestellt und diskutiert werden und wie man sich so weiterentwickelt, dass man jedes Spiel nur noch gewinnt. Also ganz weit weg von reiner Funktionslust.
Was ich eigentlich schade finde, und genau darauf wollte ich mit meinem Geschwafel auch hinaus. Ich meine, wir sind ja alle erwachsen und das Leben ist schon ernst und anstrengend, aber ich arbeite in letzter Zeit doch sehr daran, dass sich mein “inneres Kind” (eigentlich ein Begriff aus der Traumatherapie) auch zu Wort melden darf und soll, mit Verspieltsein, Lachen, einfach mal Blödsinn machen, sich mit dem Auto im Matsch verfahren weil man mal wieder die Abkürzung genommen hat usw.. Viele in meinem Alter und sogar Jüngere als ich sind einfach so schrecklich ernsthaft in allem, so verbissen in allem, es geht um Leistung zeigen in allen Bereichen, auch dem privaten.
P.S.: Wer Interesse an diesem speziellen Spiel hat, googelt einfach mal nach “Dominion” oder “Dominion Blog”.